Dear John Letter - Part & Fragment
Das Augsburger Quintett Dear John Letter wirbelte anno 2008 mit seinem Debütalbum „Between Leaves / Forestal“ einiges an Staub auf und konnte sich sogar eine Art Ausnahmeposition erarbeiten. Diesem Geniestreich nun einen Nachfolger an die Seite zu stellen, dürfte den Bayern nicht ganz leicht gefallen sein. Der Ansatz ihrer Wahl auf dem neuen Longplayer „Part & Fragment“ ist die Abwendung vom bisher tonangebenden progressiven Post Rock, und die Hinwendung zu ruhigeren, eingängigeren Klängen. Art Rock steht heuer auf der Menukarte. Verträumt, vielschichtig und sehr subtil mit viel Liebe fürs Detail angelegt. Unkonventionelles Songwriting paart sich mit intelligenten Melodien und sphärisch anmutenden Arrangements. Stets von einer tieftraurigen und zugleich verspielten Melancholie untermalt, ziehen die zehn Songs den Hörer ohne weiteres in ihren Bann und nehmen ihn mit auf einen Tauchgang in die Traumwelt, die sich auf „Part & Fragment“ entfaltet. Allerdings plätschern die Stücke für meine Begriffe etwas zu unbeschwert und teilweise sogar recht belanglos vor sich hin. Über die gesamte Spieldauer betrachtet, fehlt es eindeutig an Akzenten und sicherlich auch an Intensität. Man wartet eigentlich immer auf einen emotionalen Ausbruch à la „Between Leaves / Forestal“, der einen Höhepunkt bieten könnte. Aber ziemlich schnell wird klar, dass man hier auf einen Bus wartet, der nicht kommen wird. Was dem zweiten Werk von Dear John letter fehlt, sind die Ecken und Kanten, an denen man sich reiben könnte. Zu schön, zu gleichmäßig wird man eingelullt, und somit verkommt „Part & Fragment“ auf Dauer zur Hintergrundbeschallung. Das ist sehr schade, denn das zweifellos vorhandene kompositorische und spielerische Können, welches das Debüt der fünf ‚Augschburger’ zu einem kleinen Meisterwerk machte, hat zwar seinen Weg auch auf den Nachfolger gefunden – allerdings nur in sehr verwässerter Form. Symbolisch für die Platte steht das Artwork, das die Augsburger Altstadt in sehr kunstvoller Form abbildet, aber irgendwie etwas blass wirkt und dem handvernähten (!) Erstwerk nicht das Wasser reichen kann. Aber der Vertrieb über ein Label und in größerer Stückzahl fordert eben seinen Tribut. Im Ganzen betrachtet ist „Part & Fragment“ ein gutes und teilweise auch anspruchsvolles Stück Musik, welches dank schöner Melodien und atmosphärischer Dichte durchaus seine Daseinsberechtigung findet. Schmerzlich vermisst man aber Höhepunkte und Ausdruckskraft. Keine Enttäuschung aber definitiv eine Ernüchterung. (cj)




