The Gauss Experience - Inside It Sleeps And Dreams
The Gauss Experience. Das sagt mir zunächst einmal gar nichts. Eine kleine Recherche zeichnet im Folgenden aber ein recht interessantes Bild einer jungen Band aus Lübeck, die mit „Inside It Sleeps And Dreams“ eine CD in kompletter Eigenregie produziert hat, und diese auch selbst vertreibt. Der erste Höreindruck bestätigt, dass die Herren auch musikalisch keine alltäglichen Wege beschreiten. Zehn Stücke vereinen in sich einen Mix aus Indie Rock, Postpunk und Hardcore. Natürlich darf man hier keine Beatdown Parts und Sing-A-Long-Refrains erwarten, dafür wird das Hauptaugenmerk vielmehr auf die Erzeugung von Stimmungen und Spannungsbögen gelegt. Gelegentlich wird diese Reise durch Emotionen und Klangebenen aber durch kleine Eruptionen kantiger Riffs und schizophrener Schreianfälle unterbrochen. Insbesondere „Postmental Metamorph”, „Nursery Desert“ und „Joan Of Mountain” können sich durch den gelungenen Kontrast aus Melancholie und Aggression hervortun. Die sich mit einem schön treibenden Groove abwechselnden ruhigen Passagen schaffen eine Emotionalität, die durchaus über Gänsehautpotenzial verfügt. Auch der äußert engagierte Gesang weiß zu gefallen, ganz besonders bei „(Travelling) At The Broken Coastline Of Neverland“, welches richtig klasse dargeboten wird. Die geschrieenen Abschnitte sind ohne Ausnahme eine echte Bank, während einige der cleanen Lines doch etwas unsicher aus der Wäsche schauen. Unterm Strich geht das aber alles in Ordnung. Die maschinelle Verzerrung der Stimme bei einigen Songs stellt darüber hinaus ein weiteres, geschickt eingesetztes Stilmittel dar, das zur Bereicherung dieser Platte ebenso beiträgt, wie der vereinzelte Einsatz eines Instruments, das verdächtig nach einer Orgel klingt (oder ist es doch nur ein Gitarreneffekt?). Allerdings sind auf „Inside It Sleeps And Dreams“ auch ein paar echte Durchhänger auszumachen. Zum Beispiel bei „One Step From Silence“, vor allem aber bei „Paris Marseille“ gelingt die soeben gelobte Verbindung aus hart und weich – aus hell und dunkel – keineswegs. Ebenso wie das schlicht langweilige „Himalaya Vs. Alison Pharell“, fallen diese Songs aus dem Rahmen und stören das ansonsten recht gefällige Gesamtbild doch beträchtlich. Schade, denn ohne diese Aussetzer wäre dieses Album bestimmt auf Dauer in meinem Ohr hängen geblieben. Das Potenzial für ein durchweg gelungenes Release besitzen die Norddeutschen ganz ohne Zweifel, jetzt gilt es nur noch, dieses auch zu aktivieren. Ich zumindest drücke Ihnen hierbei die Daumen. (cj)




