Nukular - Schere im Kopf
Tja, das Album hat sich dann wohl irgendwie versteckt, anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass ich mich erst so spät nach dem eigentlichen Veröffentlichungstermin Mitte Februar damit beschäftige. Zunächst mal klingt es nicht gerade verlockend, wenn man liest, dass die vierköpfige Band aus dem Mainzer Raum dieses Album mittels der Hilfe der Popakademie Hamburg an den Start gebracht hat. Nicht, dass das prinzipiell schlechte Institutionen sind, aber wenn man in einem schulischen Umfeld Kreatives auf Theoretisches herunterbricht, geht das ja gerne mal in die Hose. Im Falle Nukular haben wir es dann wohl mit der berühmten Ausnahme von der Regel zu tun. Den Sound, den sich die Band verschrieben hat, hört man sonst nicht oft in Verbindung mit deutschen Texten, de facto fällt mir keine Band ein, mit der ein Vergleich voll treffen würde. Softere Schweisser? Härtere Selig? Wenn man's auf den englischen Sprachraum ausdehnt, dann sollten aber unbedingt auch Namen wie Billy Talent und Disco Ensemble fallen. Extrem gut getan hat den Songs, dass hier wohl alles live und direkt eingespielt wurde. Zur üblichen Bandbesetzung kommen hier dann gerne mal noch Keyboard/Samples/Sounds dazu, was in der Summe zu einer angenehm abwechslungsreichen Scheibe führt. Fast eine ganze Stunde Spielzeit wuchtet „Schere im Kopf“ in den heimischen Player, satte 15 Tracks, drei davon sind Interludes, die aber nicht unbedingt kurz sein müssen. Deutsche Texte sind ja immer ein schmaler Grat, aber die Mainzer, bzw. ihr Sänger William „Woody“ Veder, machen das richtig souverän, die Passage „Hat jemand mein Mädchen für alles gesehen?“ könnte durchaus in meinen alltäglichen Sprachgebrauch übergehen. Das Coverartwork ist leider eine einzige vertane Chance, dafür punktet der Bandname – wenn's denn tatsächlich ein Simpsons-Verweis sein sollte… (tj)




