Kerretta - Vilayer
Kerretta – das sind drei Neuseeländer, die ihre ganz eigene Vision von Musik umsetzen. Rohe Energie prallt in Form von grobschlächtig gespaltenen Riffs und sich auftürmenden Soundwänden auf pure Melancholie und ruhige, subtile Klänge. Teils antreibend, geradeaus und teils träge, vertrackt und schleppend, aber immer äußerst intensiv und rein instrumental. Diese Gegensätze sind aber nur eine Seite von Kerretta. Auf der aktuellen Veröffentlichung „Vilayer“ zeigen sie, was sie so außergewöhnlich macht: Ihre clever ausgetüftelten Melodien, die wie beim treibenden „Maven Fade“ oder dem ruhigen „The Secret Is Momentum“ sehr eingängig angelegt sind, aber niemals langweilig werden. Im Kontrast dazu steht die etwas abgedrehte Art und Weise wie die Jungs aus Auckland zum Beispiel beim Opener „Sleepers“, bei dem sich ständig weiterentwickelnden „The Square Outside“ oder dem eigenwilligen und schräg klingenden „Nest Of Spies“ ihre Tonfolgen aufbauen. Interessant ist auch die Vielschichtigkeit und Tiefe der Stücke, die mitunter durch einfachste Mittel erzeugt wird, wie das sehr melancholische „Dinshah“ belegt. Gegen Ende der Platte drehen Kerretta dann noch einmal ganz gewaltig an der Experimentierschraube. Das nachdenkliche „White Lie“ stößt dabei tief in die Jagdgründe von Mogwai und Co. vor, und das abschließende „Bone Amber Reigns“ schickt uns auf eine zehnminütige Reise durch sphärische Klänge und einige extrem coole Rhythmuswechsel, um in einem rauen, noisigen Soundgewitter seinen Höhepunkt zu finden. Bemerkenswert ist, dass der Spagat zwischen Eingängigkeit und Abgefahrenheit auf „Vilayer“ durchweg gelingt. Mitverantwortlich dafür ist das exzellente Songwriting, welches von den drei Protagonisten geradezu meisterhaft zelebriert wird. Man weiß nie wirklich in welche Richtung der jeweilige Song bei der nächsten Kreuzung abbiegen wird, und man muss sich auf ständige Überraschungen einstellen. Dieses Album bietet hochinteressante, anspruchsvolle Musik, die bis ins Detail durchdacht und grandios arrangiert wurde. Vergleiche hierfür zu finden, fällt nicht unbedingt leicht, aber mit Russian Circles, Karma To Burn oder eventuell auch Isis liegt man zumindest nicht ganz daneben. Auch wenn „Vilayer“ stellenweise etwas unorthodox und sicherlich gewöhnungsbedürftig klingt, kann ich nicht anders, als den Neuseeländern meinen vollen Respekt zu zollen, denn diese acht Stücke repräsentieren kompositorisches Können in Vollendung. Kerretta haben in mir definitiv einen neuen Fan gefunden. (cj)




