All Guns Blazing - Revelations
Die Wege des Music Business sind eben doch unergründlich, wie das aktuelle Fallbeispiel „All Guns Blazing“ belegt. Die fünf Teenager aus dem Südwesten Englands bestehen als Band gerade mal seit einem Jahr. Allerdings haben sie in dieser kurzen Zeit schon einiges erreicht, so z.B. ein Plattendeal mit Rising Records. Das dazugehörende Debütalbum mit dem sehr selbstbewussten Titel „Revelations“ gilt es heute zu rezensieren. Dargeboten werden elf Stücke, die zusammen vierzig Minuten auf die Uhr bringen und sich stilistisch irgendwo zwischen modernem Hardcore und Brutalo-Metal mit einer ordentlichen Melodiekante einsortieren lassen. Das dominante Stilmittel, auf das sich fast die komplette Scheibe ausrichtet, ist die sehr markante, techniklastige Leadgitarre. Hier hat jemand schnelle Finger, aber scheinbar auch einen enormen Geltungsdrang. Bass und Rhythmusgitarre werden extrem in den Hintergrund gedrängt und verschwinden stellenweise fast völlig aus dem hörbaren Spektrum. Und es sind genau diese Frickeleien und Gitarrenläufe die das Songwriting und somit auch jegliche Energie, die in den Groove- und Mosh-Passagen aufgebaut wird, an die Wand fährt. Die Stücke werden immer wieder von den einsetzenden Leads förmlich auseinander gerissen. Außerdem hätten den Kompositionen der Briten ein paar zusätzliche Breaks hier und da sehr gut zu Gesicht gestanden, denn die Songs klingen fast alle wie Dauerwurst – ohne jede Pause. Das, was „Revelations“ in meinem Ranking aber am meisten herunterzieht, ist der Gesang. Ziemlich eintönige Growls legen sich über die gesamte Aufnahme und werden nur gelegentlich von einigen Kreischparts unterbrochen. Ab Mitte der Platte kommen dann (zum Glück nur vereinzelt) cleane Vocals hinzu, die aber intonationstechnisch nicht einmal Amateurlevel erreichen und gänzlich inakzeptabel sind. Wenn man die Bilanz zieht, kommt man zu dem Schluss, dass All Guns Blazing instrumental zwar recht gut dastehen, aber in Bezug auf Songwriting und Arrangement noch tief in den Kinderschuhen stecken. Ich will den Jungs auf keinen Fall ihr vorhandenes Potential absprechen, aber insgesamt lässt sich hier doch einiges verbessern. Vielleicht wäre man mit ein paar Demoaufnahmen vor dem ersten Longplayer doch besser bedient gewesen?! (cj)




