Gruenewald - II
Obwohl Christian Kolf mit Valbourg, Island und Woburn House gleich drei reguläre Bands am Laufen hat, findet er dennoch Zeit, sein zweites Soloalbum einzutüten. Der Nachfolger des 2008 erschienenen, selbstbetitelten Debütalbums trägt den schlichten aber durchaus logischen Namen „II“. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass der Protagonist dieses außergewöhnliche Stück Musik komplett selbst eingespielt hat. Lediglich das Schlagzeugspiel wurde von Freund und Proberaumnachbar Claus Schulte bewerkstelligt. Die vier Songs mit einer Gesamtlänge von 44 Minuten zu beschreiben, fällt auf Anhieb nicht ganz leicht, da hier Wege eingeschlagen werden, die nicht gerade alltäglich erscheinen und dementsprechend unorthodox klingen. Kolf tummelt sich überwiegend auf den Spielwiesen des Ambient-Genres, wobei er auch Post Rock- und Doom-Elemente zum Einsatz bringt, allerdings immer auf extrem minimalistische Weise. Er verfährt offensichtlich nach dem Motto, dass weniger oft mehr ist, und zumindest auf seine Kompositionen bezogen, trifft das zu. Die trotz aller Eintönigkeit und stark gedrosseltem Tempo entstehenden Stimmungskurven und Songverläufe sind durchaus beeindruckend und lassen die Spannung niemals abfallen. Wenn ich an dieser Veröffentlichung etwas auszusetzen habe, dann am monotonen Sprechgesang, der (vorsichtig formuliert) sehr gewöhnungsbedürftig ist - aber das ist Geschmackssache. Insgesamt betrachtet ist „II“ ein sehr ruhiges, nachdenkliches und auf das Notwendigste reduziertes Album, welches den einzelnen Stücken enorm viel Zeit zum Entwickeln einräumt, und ebensoviel Raum für Experimente bietet. Und es verströmt diese eigentümliche Energie, die zwar meist gedämpft und sehr subtil im Hintergrund brodelt und nie völlig die Oberhand gewinnen darf, dafür aber allgegenwärtig ist. In der Bandinfo taucht der Begriff „märchenhaft“ auf, der die ganze Geschichte ziemlich treffend beschreibt. Dieses Songquartett ist so etwas wie der epische Soundtrack zu einer Reise durch eine Zauberwelt. Surreal, düster und auch ein wenig verträumt. Das ist Minimalismus auf höchstem Niveau – Musik zum zuhören, eintauchen und sich verlieren. Für Freunde von Bands wie Anathema oder Bohren & der Club Of Gore ist Gruenewald mehr als zu empfehlen. (cj)




