Men Killing Men / Delilah - Men Killing Men / Delilah Split
Das österreichische Label Zach Records hat sich in letzter Zeit zu einer der renommierten Adresse für extreme und abgefahrene Musik gemausert. Mit der neusten Erscheinung bringen sie zwei Bands zusammen, die in meinen Augen irgendwie schon immer eine Platte zusammen machen sollten. Nicht weil es sich jeweils um drei Musiker handelt und alle aus dem schönen Linz stammen, sondern weil beide Trios auf dem Krankheitsmonitor einen Höchstausschlag erzielen. Zum einen wäre da Men Killing Men, die sich durch ihren alpenländischen Brutalo-Frickel-Rock bereits einen angsteinflößenden Namen machen konnten, aber mittlerweile in den inaktiven Status übergegangen sind. Auf der A-Seite der zwölfzölligen Vinylscheibe, die übrigens auch eine CD und ein ziemlich psychopathisch anmutendes Poster im Schlepptau hat, haben sie eine handvoll Songs verstreut, die fiese Hochgeschwindigkeitsattacken mit ruhigen, melancholischen Passagen und etlichen Postrockabstechern kombinieren. Ziemlich sperrig und kantig kommen die recht kurzen Stücke um die Ecke, obwohl über weite Strecken hinweg die langsamere Gangart zelebriert wird. Dabei wird auffällig oft auch der Gesang unter den Tisch fallen gelassen. Nach kurzweiligen vierzehn Minuten ist es an der Zeit, die Platte zu wenden und festzustellen, dass sich die nun sichtbare Rille ununterbrochen über das Vinyl zieht. Jep, die ebenso mächtigen wie experimentierfreudigen Delilah haben nur einen Song zu dieser Split beigesteuert, welcher aber mit weitaus mehr als einer viertelstündigen Spielzeit schon mal jede kommerzielle Skala sprengt. Sehr gut! Was uns jetzt in die Ohren dringt, fällt schwer zu beschreiben. Zunächst einmal sind etliche ‚Störgeräusche’ festzustellen, die immer wieder in Form von Gitarrengefiepe oder Plattenkratzern ertönen. Sakraler Chorgesang ist ebenso mit von der Partie, wie verzerrte Klangexperimente und effektgeladene Feedbacks. Ein elektronisch-folkloristischer Beat mischt sich dann auch noch mit ein und verebbt wieder in undefinierbaren Hintergrundgeräuschen, die mystische Assoziationen hervorrufen. Den Abschluss bildet ein Bläsersatz, der wie zu einer Trauerfeier aufspielt, um langsam und bedächtig auszuklingen. Fazit: Diese Scheibe ist nichts für musikalische Grundschüler, und allein der Versuch diesen Sound in Worte zu fassen, scheitert im Ansatz. Deshalb kann ich nur empfehlen, sich auf dieses Experiment einzulassen. Die fünf Men Killing Men-Songs sind ja größtenteils noch nachvollziehbar, aber vor allem der Delilah-Beitrag ist nichts für Leute mit festgefahrenen Musikbegriffen. Ziemlich große Offenheit ist die Vorraussetzung, um mit dieser Platte warm werden zu können. (cj)




