Clutch - Strange Cousins From The West
Die beinahe schon legendären Clutch schicken sich an, im Jahr 2009 ihr mittlerweile neuntes (!) Studioalbum einzutüten. Da der direkte Vorgänger „From Beale Street To Oblivion" durchaus als Killeralbum bezeichnet werden darf, bin ich gespannt darauf, ob die erfahrenen Rocker mit ihrem aktuellen Streich „Strange Cousins From The West“ standesgerecht nachlegen können. Schon der erste Probelauf verrät, dass sie zumindest nichts von ihrem trockenen, sehr charismatischen Sound eingebüßt haben: Der Songreigen wird in Form von „Motherless Child“ mit einem sehr coolen Bluesstück alter Schule eröffnet, welches sogleich die für die Band typische, entspannte Sonntagnachmittagatmosphäre verbreitet. Überhaupt ist festzustellen, dass mehr klassische Blueselemente ihren Weg auf diese Platte gefunden haben, als zum Beispiel noch auf dem letzten Werk, welches doch eher psychedelische Züge trug. Bei näherer Begutachtung der zehn Stücke sticht ebenfalls die Nummer 3 heraus, die mit „50.000 Unstoppable Watts“ betitelt wurde und dieser Namensgebung auf elektrisierende Weise alle Ehre macht. Die Herrschaften Fellon, Sult, Gaster und Maines greifen hierbei ganz tief in die Trickkiste und fördern gleich eine ganze Reihe fetter Riffgranaten zutage. Mit „Let A Poor Man Be“ ist ein extrem lässig groovender, tiefgehender Ausflug in die trockensten ‚Wüsten’ der Rockmusik vertreten, welcher von treibenden Gitarren-Leads und einem mitreisenden Refrain dominiert wird. Die letzte Position schließlich, gebührt einem wahren Songungeheuer: „Algo Ha Cambiado“ feuert über vier Minuten hinweg ein riffgespicktes Rockfeuerwerk erster Güte ab, welches sich immer weiter steigert und gegen Ende in einer gemein verschleppten Tempoverschärfung gipfelt. Im Ganzen betrachtet, weist „Strange Cousins From The West“ also einige Höhepunkte auf, aber ein reinrassiger Hit ist nicht darunter. Allerdings fällt das nicht im Geringsten negativ ins Gewicht, denn genauso wenig finden sich Blindgänger in dieser Liste. Die zehn Songs sind komplett aus einem Guss und rocken beziehungsweise grooven über die vollen 45 Minuten hinweg in einer Art und Weise, die den Hörer zum Dauermitnicker mutieren lässt. Aber nur wer gewillt ist, aufmerksam zuzuhören, um sich all die subtil angelegten Feinheiten dieses Werks zu erschließen, wird auf Dauer gefesselt sein. (cj)




