Huron - Cheyne Stoking
Wenn ein einschlägig bekannter, gehörnter Kräuterschnaps von Musikern als Hauptinspirationsquelle angegeben wird, ist eigentlich schon alles klar, oder?! In diesem speziellen Fall ließen sich vier durchgeknallte Briten aus Plymouth bis Oberkante Unterlippe vollaufen und gründeten einfach mal ins Blaue hinein die Band Huron. Nachdem jetzt alle Klischees abgehakt wären, können wir uns der Musik zuwenden: Bei solch einer Vorgeschichte überrascht es nicht besonders, dass hier dreckiger Southern Rock mit gewaltigem New Orleans-Einschlag und nicht zu geringem Metal-Touch auf dem Plan steht. Grobschlächtige Beats und raubeinige Riffs werden in einfach gestrickte Strukturen gerotzt, und auf Details und Feinschliff verzichtet man schlichtweg. Generell kümmert man sich einen Dreck um wohlgeformte Harmonien und ausgeklügelte Arrangements. In bester Rock’n’Roll-Manier will das englische Quartett einfach nur drauf los brettern. Das ist den elf Stücken auf „Cheyne Stoking“ mehr als deutlich anzumerken. Allerdings ist man dabei ständig auf der Suche nach der eigenen Identität, denn die vier Rocker-Alkis sind eindeutig der gesamten Louisiana-Fraktion hörig. Man scheint sich nur noch nicht zwischen Down, Corrosion Of Conformity und Pantera entschieden zu haben. Auch der Sänger leidet entweder unter Persönlichkeitsspaltung, oder man war im Hause Huron sehr darum bemüht, einen Phil-Anselmo-Clone zu erschaffen… allerdings muss man sich mit der Kassenpatientenausgabe zufrieden geben. Sehr auffällig ist, dass eigentlich nur die wenigen ruhigen Momente auf „Cheyne Stoking“ überzeugen können. „Your View On The Sun“ und bedingt auch „Bringer Of Light“ sind gute Beispiele dafür, dass Huron sehr wohl über eigene Qualitäten verfügen, die sie aber aufgrund ihres Huldigungszwangs ziemlich erfolgreich verstecken. (cj)




