Beautiful Broken - Emotions May Vary
Beautiful Broken nennt sich die siebenköpfige Combo aus Nordrhein-Westfalen, die mit „Emotions May Vary“ ihre Debütveröffentlichung auftischt. Zunächst sei gesagt, dass sich das Mädel und die sechs Jungs ein dickes Lob für den fetten Sound ihrer Eigenproduktion verdient haben. Respekt. Schon die Anzahl der Bandmitglieder lässt auf eine nicht alltägliche Instrumentierung schließen, und gleich das Intro bestätigt diese Vermutung. Synthetische Klänge dringen ins Ohr und erinnern so stark an die englischen Enter Shikari, dass man gewillt ist, von Diebstahl zu sprechen. Nachdem der erste Reflex, die Platte sofort entsorgen zu wollen, überwunden ist, vergessen wir das Vorspiel und widmen uns den Stücken. Der Opener “Walls Of Sorrow“ gibt die grobe Marschrichtung vor: Typisches Metalcore-Riffing, eine derb getriggerte Doublebass und weit im Vordergund stehende Kreisch/Grunz-Vocals sind angesagt. Aber plötzlich biegt der Song in die melodische Richtung ab, und zeitgleich setzt eine cleane, fast zarte, weibliche Stimme ein und verleiht dem Ganzen dadurch eine sehr emotionale Note. Und genau von dieser Mischung aus Härte und Gefühl lebt die Musik von Beautiful Broken, und verleiht ihnen dadurch die Möglichkeit, sich klanglich von der breiten Masse der restlichen Metalcore-Bands abzusetzen. Auf „Emotions May Vary“ sind mit Ausnahme von „Patch For A Hole“, welches eine reinrassige Ballade ist, durchweg Stücke zu finden, die nach diesem Muster gestrickt sind, wobei gelegentlich noch mit Synthesizer-Sounds aufgefüllt wird. Durch „Wasted“ und „My Last Goodbye“ wird noch eine Prise Chaos mit in die Emo- und Metal-Suppe gegeben, um zusätzliche Anreize zu schaffen. Technisch gesehen, gibt es an diesem Schema, ebenso wie an den individuellen Fähigkeiten der Musiker (vom übertriebenen Gekreische einmal abgesehen) und auch am Songwriting wenig auszusetzen. Aber um es auf den Punkt zu bringen, Beautiful Broken lassen sich nur allzu gerne inspirieren. Bands wie Deadlock, Evanescence, Bleeding Through und andere sind immer wieder herauszuhören. Der dadurch in meinem Gehör entstehende Negativtouch kann auch durch ‚lustige’ Coverversionen von Rihannas „Umbrella“ und dem SNAP-Hit „Rhythm Is A Dancer“, sowie dem Zitieren einiger Musikklassiker nicht mehr wettgemacht werden. Dass in dieser Band eine Menge Potential steckt, steht völlig außer Frage, aber in Punkto Eigenständigkeit und Individualität steht Beautiful Broken noch ein langer Reifeprozess bevor. (cj)




