Gallows - Grey Britain
Bands, die ein erstklassiges Debüt vorgelegt haben, stehen meist mit dem Rücken an der Wand: Das zweite Album ist für solche Bands die Stolperfalle par excellence. Da trennt sich die Spreu vom Weizen und so manche Karriere endete hier, bevor sie so richtig begann. Nun sind die Gallows aus UK ebenfalls eine Band, die ein Album als Erstling hatten, der die Kritiker zu Freudentänzen veranlasste, der Band einen fetten Deal mit einem renommierten großen Label bescherte und das Album kurzerhand unter neuer Label-Flagge nochmals veröffentlicht wurde, um der breiten Masse die Musik näher zu bringen. Nun sind die Gallows aber auch eine Band, die immer betonten, wie unwichtig der ganze Zirkus um das Album "Orchestra of Wolves" sei, die Band eh nur ein zeitlich begrenztes Dasein hätte und man sich eher auf die bodenständigen Berufe wie Tattoowierer besinnen würde. Was kann man also von so einer Band erwarten? Entweder es erscheint ein Nachfolger, der den Erwartungen nicht im entferntesten gerecht wird, da er genau diese "Leck mich am Arsch" -Einstellung hat, oder es kommt ein Befreiungsschlag der besonderen Klasse. Frank Carter und Co haben beides vereint: Der musikalische Mittelfinger wird einem serviert und der Befreiungsschlag ist geglückt, dass man atemlos dasteht. Man sagt dem brachialen und teilweise monotonem Harcore "Auf Wiedersehen" und glänzt mit brachialem und durchdachtem Hardcore. "Grey Britain" ist komplex, beinhaltet einen roten Faden und lässt eine Stimmung aufkommen, die man so eher von "Kopfmusik" a la ISIS und Co erwarten würde. Seien es 5 Videos, die das Thema "Der Verfall des Königreichs im Jahre 2009" visuell unterstreichen. Seien es die klassischen Elemente, die dezent aber präsent eingesetzt eine Stimmung aufkommen lassen, die einem Gänsehaut bereitet. Seien es die Texte, die die Probleme unserer heutigen Gesellschaft so gekonnt auf den Punkt bringen, dass man sich fragt, wieso man diese Sicht nicht selbst erlangen konnte. "Grey Britain" ist rüpelhaft, vulgär (der Vorsatz, weniger Schimpfwörter zu verwenden als auf dem Debüt missglückte somit) und dennoch intellektuell, durchdacht, komplex und vielseitig. Songs wie "Graves" (mit einem Gastauftritt des Biffy Clyro-Sängers Simon Neil), "The Vulture (Acts I&II)" und dem Übersong "Crucifucks" zeigen, welches Potential in dieser Band steckt. Die Kritiker loben die Band erneut und erste Stimmen sprechen von einem Meilenstein wie einst "The Shape of Punk to Come" von Refused. Zu Recht! (pe)




