Seneca - Reflections
Startet man das neue Album von Seneca aus North Carolina, flammt kurz der Gedanke auf, es hier mit der nächsten nichtssagenden Deathcore Truppe zu tun zu haben, die lediglich vom Hype des Stils lebt und außer brutaler Monotonie nichts zu bieten hat. Dann besinnt man sich aber darauf, dass man von Lifeforce eigentlich besseres gewöhnt ist und ist sich nur wenige Tackte später sicher, dass die Band tatsächlich deutlich mehr auf dem Kasten hat als die meisten Genrekollegen und sich auch gar nicht so einfach in enge Genrekorsetts pressen lässt. Zwar geht die Truppe auf den ersten Blick sehr ruppig und rücksichtslos vor, schnell offenbart sich aber, dass auch sehr versöhnliche Melodien und sogar melodischer Gesang im Klanguniversum der Band einen festen Platz haben. Diese werden aber anders als bei vielen Kollegen nicht so vorhersehbar und keineswegs zur reinen Effekthascherei eingesetzt. Seneca bauen ihre Songs auf recht komplexe Art zusammen, hier werden schräge Beats, fieseste Riffs und Gitarrenmassaker verquickt und dann mit überraschenden Melodien und Gesängen akzentuiert. Die Platte steckt voller Abwechslung. Im einen Moment klingt die Band wie eine Bestie, in der nächsten wie ein Lamm. Mit "Illusions" ist ein ausgewachsener Emo Hit an Bord, das darauf folgende "Names And Faces" ist ein Moshmonster das sich gewaschen hat. Produziert wurde das Ganze übrigens von Jaime King, der auch schon für Bands wie Between the Buried and Me, Glass Casket oder Beneath The Sky gute Arbeit geleistet hat. Für "Reflections" gehen die Daumen hoch. Nicht nur weil die Band sich traut verkrustete Genregrenzen einzureißen, auch weil sie einfach starke Songs auf Lager hat. (rg)




