Anathema - Hindsight
Ein wirklich wunderbares Album der Cavanagh-Brüder Vincent, Danny und Jamie und ihrer Mitstreiter. Das geht schon bei der sehr gelungenen Gestaltung los: ein Digibook in warmen Rottönen mit stimmungsvollen Instrumenten-Detailaufnahmen im Innenteil. Noch viel imposanter weiter geht´s aber auf musikalischer Seite. Unglaublich wohin sie der lange Weg des gemeinsamen Musizierens mittlerweile geführt hat, vom Death/Doom Metal der Anfangstage zu ihrer heutigen ganz eigenen Form, die - zumindest auf diesem Halb-Unplugged-Album - mehr mit Folk, als mit Metal zu tun hat. Wenn man einem Hörer, der mit dem Frühwerk der Band nicht vertraut ist, die alten Songs vorspielen würde, wäre es für ihn wohl völlig unmöglich zwischen den beiden Stadien der Band Gemeinsamkeiten zu entdecken. Der Albumtitel "Im Nachhinein" deutet es ganz britisch schwarzhumorig an, es handelt sich um Neubearbeitungen eigener Songs; und zwar in einem halb-akustischen Gewand mit genial erweitertem Instrumentarium wie Cello, Flöte, irische Mandoline und Xylofon. Ein intensiver, gänsehautschwangerer Moment jagt den nächsten, ein sehr spartanisch arrangierter Track wie "One Last Goodbye" erreicht trotzdem eine immense Intensität. Fantastisch auch die Umsetzung von "Temporary Peace" vom "A Fine Day To Exit"-Album mit warmen Tastentönen, Akustikgitarre, Cello, Meereschrauschen und der perfekt positionierten Stimme von Vincent mit zusätzlich weiblicher Unterstützung. Beim Höhepunkt des Albums, "A Natural Disaster", kommt auch noch bezaubernder und tieftrauriger Frauengesang dazu. Die Band steht trotz immenser Popularität seit mehreren Jahren ohne Label da, was bestimmt auch mit den Egos der Brüder und der schwer greifbaren Genrezugehörigkeit zu tun hat, das nächste richtige Album soll aber in absehbarer Zeit kommen. Ich freu mich drauf. (tj)




