Evan Freyer - Mistakes Included EP
„In A World Where Ashley Simpson Can Be Famous There Is Nothing You Should Be Ashamed Of” – heißt es im Song “Sunny Day In A Winter’s Breath” dieser EP. Scham ist in unserer Gesellschaft ja ein ganz besonderes Thema. Manch einer traut sich nicht mal sich am See in der Öffentlichkeit umzuziehen, während man sich an anderer Stelle (Stichwort Talkshows, Privatfernsehen) innig wünschen würde, dass sich die Leute doch wieder mehr schämen mögen. Patrik Nordsiek aus dem mondänen Velbert traut sich was, soviel ist sicher. Ähnlich wie bei den ganzen Castingshows, die auch dem letzten Horst noch vorgaukeln wollen, dass er der nächste millionenschwere Star werden kann, ist das Problem auch im Falle Evan Freyr aber die nötige Distanz zur eigenen Leistung. Man fragt sich da oft, ob der denn niemand in seinem Umfeld hat, der sich mal traut zu sagen „Patrik, ist ja toll, dass du diese ganzen Songs komponiert, die meisten Texte geschrieben hast, gitarriert und auch noch mitproduziert hast – Fakt ist, dass du bei fast jedem Song x-mal neben dem Ton liegst und DEFINITIV keine Kopfstimme in deine Songs fisteln solltest!“ Patrik, wir kennen uns nicht, aber ich finde, das musste mal gesagt werden, ich würde mich definitiv schämen so was abzuliefern! Nicht falsch verstehen, es muss nicht immer jeder Ton sitzen, aber das hier ist gesanglich weit davon entfernt charmant oder authentisch zu sein, da hätte man einfach ein paar Gesangstakes mehr ansetzen müssen, und wenns gar nicht geht entweder die Tonart oder die Gesangslinie verändern müssen. Am allerschlimmsten ist der fünfte Song mit Gastsängerin Alexandra Schulze, schräg as schräg can be. Die Songs an sich können sich sehen lassen, der Mann, der laut Liner Notes für die Trommeln zuständig war, darf dankbarerweise nur bei zwei der sechs Tracks aktiv werden, denn Timing ist nun wirklich nicht sein Ding und vom Ansatz her, scheint er sein Instrument auch noch nicht sehr verinnerlicht zu haben – aber hey, Hi-Hat kommt klasse! Die Produktion ist recht unausgewogen, klingt als ob der Aufnahmeleiter diesen Job noch nicht oft gemacht hätte, die Beats und Synthieeffekte sind jedenfalls total dilettantisch integriert. Allein die grafische Präsentation im Schulheftform ist recht cool, also einen Punkt für Mut und einen für die Gestaltung. (tj)




