Liquido - Zoomcraft
Die Band immer noch als One Hit-Wonder zu bezeichnen und sie somit auf ihren Überhit "Narcotic" zu reduzieren wäre grob oberflächlich. Seit diesem Smasher sind viele Jahre und Alben der Band ins Land gezogen, die teilweise durchaus gelungen und interessant waren. Jetzt setzt die Band aber noch mal zu einer ganz großen Imageverpuppung an, "Pollunder Pop" war gestern, Liquido goes heuer Elektrorock. Ein Experiment das mal grandios in die Hose geht. Statt catchy Alternativepop, setzt die Band auf elektronisches Gewand plus Gitarre und Bass, beim durchaus augenzwinkernden "A One Song Band" fangen sie doch tatsächlich zum Rappen an - hätten sie mal lieber gelassen, erinnert latent an kasperige Bands wie die Bananfishbones. Ein paar coole Momente hat "Zoomcraft" durchaus, etwa wenn Herr Eiermann das Mikro übernimmt und bei "Best Strategy" der Alternativerock kurzzeitig Einzug hält und man ein bisschen Jimmy Eat World durchhört. Oder wenn sie mir "Agree To Stay" auf ihrem mittlerweile fünften Album einen Track auspacken, der damals in einer Pianoversion schon auf ihrer ersten Single war. Man hört dem Album an, dass sie sich etwas gedacht haben, dass sie etwas neues ausprobieren wollten. Das fängt schon beim Coverartwork an, dass man in den USA bei AS1 bestellt hat, der schon für Talib Kweli und Goldie gearbeitet hat, geht weiter beim Produzenten Jochen Schmalbach, der u.a. schon für die Fantastischen Vier die Knöpfchen gedreht hat und zeigt sich auch in der konzeptuellen Dreiteilung des Albums in drei "Zoomlevel", das erste Elektro-dominiert, das zweite dann laut Info "sphärischer und farbenfroher" und beim dritten beruhigen sie sich dann wieder und kehren zu ihren Roots zurück und so gefallen sie mir dann definitiv auch am besten. Ich hätte wirklich gerne die Gesichter der Führungsetage bei Nuclear Blast gesehen, als die das Album zum ersten Mal gehört haben... (tj)




