Rich And Kool - Back To You
Unglaublich aber wahr: schon wieder ein frisches und überraschendes Album aus Berlin. Nachdem die Beatsteaks vor ein paar Wochen den Messias schon sehr souverän zum Limbo gebeten haben, landen jetzt Rich And Kool in ähnlich hohen Regionen der Qualitätsskala - wenn auch nicht gar so Helldriver-kompatibel wie die Beatbulletten. Auch hier hatte Moses Schneider wohl irgendwie seine Finger im Spiel, produziert hat Serge Kool und die Band allerdings selbst. 2001 als Sänger/Produzenten-Duo gegründet wurde die Formation über die Jahre zur Bandstärke aufgebohrt und ist seit jeher fest in der Hauptstadtszene verwurzelt. So wurden Teile des Albums im Proberaum der Einstürzenden Neubauten aufgenommen, andere im Kreuzberger Trixx-Studio. Der Ruf der Band eilte ihnen voraus und so stehen neben Remixen für Chikini oder IAMX und einer Support-Tour für Bloc Party mittlerweile auch schon Shows in Paris und Moskau auf dem Imponier-Konto. Stilistisch sind die 15 Songs über fast eine Stunde Spielzeit (bewusst?) nicht auf einen Nenner festzunageln, Rock und Elektronik halten sich die Waage, Disco kommt ebenso vor wie Indie, Blues, Rap und Britpop. Es bleibt spannend und fesselnd, also nicht wundern wenn einem bei "Tous Comptes Faits" plötzlich französisch gerappte Parts um die Ohren fliegen, bei "Love Junky" ganz entspannt gejazzt wird und später recht weit hinten im Albumverlauf beim Tanzflächenfüller "Back 2 U" niemand mehr ruhig sitzen kann. Trotz derart vieler Zutaten und Geschmacksrichtungen mundet das tatsächlich vorzüglich. Wenn man bedenkt, dass das hier gerade mal das Debutalbum der Band ist, lässt das für zukünftige Taten großes hoffen. (tj)




