On Broken Wings - Going Down
On Broken Wings haben sich damals mit ihrem Debut "Some of Us May Never See the World" in mein Herz gespielt. Im Gegensatz dazu konnte ihr zweites Album "It´s All a Long Goodbye" eigentlich nur als Fehlschlag bezeichnet werden. Wollen wir also einmal schauen, welche Richtung OBW mit der aktuellen Veröffentlichung "Going Down" einschlagen. Zunächst fällt auf, dass die Produktion ziemlich missglückt ist. Alles klingt irgendwie dumpf und nach Kabelsalat-Aufnahme im eigenen Proberaum...das ist gleich mal ein dickes Minus. Der Beginn des Openers "On Violins" lässt mich kurzzeitig den Soundeindruck vergessen. Mit bandtypischem, zähem Gemoshe hauen die Amis gleich ordentlich rein, verfallen dann aber urplötzlich in einen Weichspül-Emo-Refrain mit superschlechtem, cleanem Gesang. Was ist denn hier passiert? ... Die darauf folgenden Stücke klingen dann wieder mehr nach OBW, wobei "Clear" extrem HC-lastig ist, und "Ltmr" ein paar Anleihen aus dem Jazz-Genre verarbeitet. Beim nun folgenden "You Make Me..." wird dann wieder dieses komische Gesinge vom Stapel gelassen, welches den ansonsten schön schleppenden Song ruiniert. Dann wird auf einmal alles anders: Das fünfte Stück "I Do My Crosswords In Pen" kommt als mächtiges Mosh-Ungeheuer aus den Boxen gestampft; mit schönen Tempowechseln, aggressivem Riffing und den typischen, schrägen Akkorden. Eindeutig einer der besten Songs dieser Band überhaupt! Außerdem ist dies das einzige Stück bei dem der zweite Sänger Burke durch seinen cleanen Gesang überzeugen kann. Track Nr. 6 und 7 fallen dann wieder in die gleiche Kategorie wie der Opener, also schnell weiter. "I Hope You..." kann durch interessantes Songwriting und eine richtig geile Spannungskurve Punkte gut machen, allerdings wird auch hier wieder so ein seichter, melodischer Part verwurstet, der nicht nur fehl am Platz, sondern absolut tödlich für das gesamte Stück ist. "My Life, Your Movie" ist wieder ein OBW-Song der älteren Schule. Abwechslungsreich, voller Energie und mit einer ruhigen Mitte ohne Singsang. Und siehe da...es rockt! Das abschließende "Lovesick" liefert dann noch einmal richtigen In-Die-Fresse-Mosh-Core, so wie man es sich von den Amis wünscht, wobei auch hier wieder der Gesang die Suppe versalzt. Schuster, bleib bei deinen Leisten...würde meine Mom sagen. Ohne jemand zu nahe treten zu wollen, aber wer nicht singen kann soll es lassen. On Broken Wings´ Stärken sind eindeutig die Aggression und die Energie, die sie mit ihren Moshwalzen erzeugen. Sobald aber die ruhigere Seite zum Vorschein kommt, wird es kaum erträglich. Fazit: Die Hälfte der Platte ist gut, die andere macht dem Albumtitel alle Ehre! (cj)




