Manatees - untitled
Das es sich bei der Band um eine Ausnahmeerscheinung handelt, ahnt man sofort beim Erstkontakt. Das fängt beim Bandnamen an, denn Seekühe sind nun mal nichts, das man unbedingt mit gitarrendominierter Musik assoziiert. Weiter gehts mit dem Fehlen eines Albumtitels, römischen Zahlen von 1-5 als Songtitel, dem ganz in schwarz und Lack gehaltenen Albumcover, der unüblichen (aber sehr liebevoll gestalteten) Pappschuberverpackung, Songlängen von über 15 Minuten (beim Opener) und als schräger Krönung einer im Beiblatt abgedruckten Notrufnummer. Die soll man anrufen, wenn man eine verletzte, tote, verwaiste oder sonst wie bedrängte Seekuh sieht. Fragt sich wer da dann abnimmt oder gar vorbeikommt – der Seekuhnotdienst? In der Summe also mehr als verwirrend – bis man dann den kleinen Zusatz im Booklet entdeckt: „Recommended To Be Listened To On Drugs. Loudly“- si, claro! Außer Kaffee und Schocki hatte ich leider wenig da um den Effekt zu simulieren, aber das Hörerlebnis war auch so sehr intensiv. Mantraartig grooven sich die drei Briten durch die fünf wuchtigen Tracks, die die Inspiration Neurosis nicht verleugnen können, das aber wohl auch gar nicht wollen und keinesfalls als schnöde Nachahmer abzuurteilen sind. Tribaldrumming dominiert, der Bass konzentriert sich aufs Aufbauen eines mächtigen Krachgerüsts – überhaupt drängen sich Wörter wie Größe und Dramatik nahezu auf - und die Gitarre bzw. der Gitarrist sorgt für Sounds. Zudem wohl auch beteiligt: mehrere Haushaltsgegenstände (u.a. Fahrräder und Feuerlöscher!) und ab und an auch wenig Gesang, der ist aber nicht elementar. Eine Band die man als Gesamtkunstwerk wahrnehmen und nicht an Stilelementen oder einzelnen Songs messen sollte. Das Album ist ein Trip, Neurosis-affine werden es lieben. (tj)




