Balzac - Deep Blue Chaos From Dark Ism II
Dass uns Europäern japanische Gepflogenheiten mitunter bizarr anmuten ist nichts Neues. Auch japanische Kulturgüter wie Manga oder Visual Kei mag hierzulande sicherlich nicht jeder. Ähnlich verhält es sich wohl auch mit Balzac. Die japanische Antwort auf die Misfits veröffentlichen ihr nunmehr drittes Album. In Japan sind die Jungs ne dicke Nummer, in Deutschland sind sie trotz zweier Touren lediglich ein Insidertipp. Auch das neue Album wird daran wohl nichts ändern, im Gegenteil, es ist eher dazu prädestiniert wieder Boden zu verlieren. Dabei hat sich die Band davon gelöst lediglich die Misfits zu covern. Balzac gehen durchaus eigenständig ans Werk. Hymnenhaft angelegter Punk, der natürlich starke Misfits Schlagseite hat und mit reichlich Ahhs und Ohhs ausgestattet ist wird mit düsteren Keyboards oder elektronischen Elementen angereichert und mit verspielten Melodien versetzt. Mal geht das flotter von statten, mal gemütlicher. Problem der Scheibe ist aber, dass das Songwriting völlig konfus wirkt. Die Chöre werden an den unpassendsten Stellen einfach über die Gitarren gelegt, die Riffs erschienen ziemlich blutleer und uninspiriert. Einen roten Faden haben die Songs selten. Am unsäglichsten ist in meinen Augen aber der Gesang. Selten wirkte ein Sänger so ausdruckslos und gelangweilt. Vom in der Bandinfo versprochenen Ohrwurmcharakter kann ich ebenfalls nichts hören. Vielleicht muss man aber auch einfach eine gewisse Japan-Affinität haben um mit der Platte zu Recht zu kommen. Mir gibt das nichts. Fans der Band werden sich aber freuen, dass die europäische Version der Platte mit vier zusätzlichen Tracks ausgestattet ist und so auf insgesamt 20 Songs kommt. (rg)




