Schweisser - Pororoca
Ein zwiespältiges Werk. Zunächst war die Freude groß eine liebgewonnene Band wieder aktiv zu sehen, dann kam die Ernüchterung, dass das ja gar nicht mehr die Band ist, die vor sechs Jahren das Licht ausgemacht hat. Sänger Thomas Böck ist als einziger verblieben vom alten LineUp, das die Neue Deutsche Härte mitgeprägt hat und für Meilensteine wie „Willkommen im Club“ oder auch „Heiland“ verantwortlich ist. Wie bei jedem anderen Boom sind nur die ganz dicken Bands wie z.B. Rammstein oder auch Ooomph! bis heute aktiv und erfolgreich. Die Schweisser haben es leider nie bis ganz nach oben geschafft, waren aber doch deutlich weiter als andere Bands wie z.B. Kind Tot oder auch Rinderwahnsinn, die heute kaum noch jemand kennt. Neben der deutschen Sprache und den knackigen Gitarren war es eigentlich auch immer elementar, dass diese Bands einen Sänger hatten, dem man auch die ein oder anderer Stunde in der Psychatrie abgenommen hätte. Und das war bei Meister Böck auch immer der Fall, es klang immer so, als ob dieser Mann getrieben wird, dass das alles einfach aus ihm raus muss. Und dann war das, was rauskam auch immer so herrlich unpeinlich und trotzdem in der Muttersprache und zudem oft nah dran an der eigenen Befindlichkeit. Und die gute Nachricht ist, dass er das nicht verlernt hat. Die Texte sind also wieder stark bis genial. Beim ersten Song kotzt er sich merklich aus über das juristische Massaker, das wohl mit der Band auszufechten war: „Gelbkarierte Sakkos, von Muttern gekauft, Hinterbänkler, Zweitligist, Schreibtischtäter, Rechtsverdreher, Hauptsache verklagen für ein Festgehalt, Mir erzählen, was ich zu tun hab und dann für Sex bezahlen müsen“, das sitzt. Der Text zum zweiten Song geht auch in die Richtung „Aufarbeitung der Bandvergangenheit“ und beim dritten Song werden gar Erinnerungen an das letzte Album in der alten Besetzung wach. „Bitte warten“ hiess das damals und versuchte sich mit dem gewissen Pop-Appeal der breiteren Masse zu nähern. Fand ich damals sogar nen gelungen Versuch, war da aber deutlich in der Minderheit. Der große Haken an diesem Album ist aber eindeutig die Musik. Die ist nämlich fast durchwegs belanglos und wird zu allem Übel auch noch von einer dumpfen Produktion begleitet. Deswegen auch nur die halbe Punktzahl, denn hier fehlt eben die Hälfte von dem, was die Band früher groß gemacht hat. Songs wie z.B. „Freiheit?“ und „Tausend Mal Du“ sind unglaublich schraddelig mit Riffs aus der „Hatten wir zwar schon tausendmal, uns fällt aber nichts relevantes ein“-Discount-Abteilung. Auch wenn mit Martin Messerschmid kein Unbekannter am Drumkit Platz genommen hat – man kennt ihn von Notwist und jüngst den Bolzplatz Heroes, hier fehlt doch deutlich Gitarrist Buffo und auch der prägende Saxophonist. (tj)




