Andreas Geiger - Heavy Metal auf dem Lande (DVD)
Ich dachte ich seh nicht recht, als ich im Februar in der Fernsehzeitung einen Hinweis auf eine Dokumentation über das Metal Label Nuclear Blast entdeckte. An sich ja schon krass genug, aber die Sendung lief zudem noch auf dem von mir sehr geschätzten „Kultursender“ arte! Natürlich hab ich die Sendung dann verpasst, meinen Videorecorder kann ich bis heute nicht programmieren und so war ich doch sehr froh, als ich dieser Tage eine DVD mit besagter Doku im Briefkasten fand, das Label selbst bringt das gute Stück dieser Tage in den Handel. Und das sollte wirklich jeder, der etwas mit dem Genre anfangen kann gesehen haben - und auch alle anderen um den eigenen Horizont etwas zu erweitern – deswegen lief der Film auch völlig zu recht (sehr erfolgreich) bei arte! Und man wird auch wirklich unterhalten. Ein Fokus liegt auf Firmengründer Markus Staiger. Er wird ausführlich interviewt und vorgestellt, ebenso wie seine Mutter, Kollegen und sein Umfeld. Man sieht ihn sogar bei seiner Yoga-Lehrerin – die wie die meisten auftretenden Personen ordentlich schwäbelt (man kann kultigerweise sogar hochdeutsche Untertitel zuschalten – das kannte ich sonst nur von den Wolf Haas Verfilmungen wie z.B. „Komm süßer Tod“). Ein weitere Erzählstrang behandelt den Metalfan Michael Siegl und der dritte betrachtet Oliver Barth, der Strickmodenfabrikant (!) ist. Das ist aber nur sein „regulärer“ Job, den er von den Eltern übernommen hat und mit dem er sein Geld verdient. Daneben ist er völlig im Metal verwurzelt, spielt selbst Schlagzeug in einer Band und produziert auch hier und da Bandvideos. Das faszinierende am Film sind die zwei Welten, die da aufeinander treffen, einerseits die verschlafene, konservative und völlig ländliche schwäbische Alb und andererseits die extreme Metalszene mit all ihren Auswüchsen, die auf Außenstehende einfach abstoßend, wirr und irreal wirken muss – was in einem gewissen Alter ja auch die Hauptmotivation ist, sich derartig zu orientieren, nämlich sich eben abzusetzen und anders zu sein als die (elterliche) Umwelt. Das sind schon große Szenen, wenn der Firmenchef in seinem Metal-Shirt und Labeljogginghose bei seiner Yogalehrerin unterm holzverschalten Dach auf die Zehenspitzen geht und richtig atmen lernt. Oder wenn Michael Siegel bei Muttern in der Küche die Yoghurtbecher spült und sich um den Kompostmüll kümmert. Es dreht sich halt alles um Kontraste und so hat Regisseur Andreas Geiger auch immer wieder Alltagsszenen der anderen Donzdorfer zwischen geschnitten – wobei die teilweise krasser sind, als der Metalcontent an sich, die Szene beim Metzger fand ich schon recht hart – aber ich bin ja auch so ne Vegetarier-Memme... Zusätzlich zur eigentlichen Doku gibt´s als Bonus noch diverse Musikvideos, nicht verwendete Szenen und auch ein Statement vom Regisseur. (tj)




