I Exist - II: The Broken Passage
Aus den Marihuana-schwangeren Nebelschwaden, welche die australische Hauptstadt Canberra einhüllen, erhebt sich ein Koloss – zuerst nur schemenhaft, dann immer deutlicher erkennbar. Er kommt näher und walzt dabei alles, was sich ihm in den Weg stellt, in den Boden. Er nimmt noch einmal einen tiefen Zug aus seiner Bong, bevor er mit röchelnder Stimme in die Welt hinausschreit: Ich existiere! So ungefähr könnte eine visuelle Umsetzung dessen aussehen, was die vielköpfige Band I Exist auf ihrem zweiten Album „II: The Broken Passage“ veranstaltet. Auf ihrer Debütscheibe „I: A Turn For The Worse“ haben die Aussies bereits demonstriert, wie gut sich schwerster Sludge Metal mit angepisstem Hardcore und staubtrockenem Stoner Rock verträgt. Die aktuelle Platte folgt diesem Weg unbeirrt weiter und stößt mit ihren dreizehn Songs noch tiefer in die dreckigsten und versifftesten Abgründe der involvierten Stilrichtungen vor. Der Opener „Winters End“ sowie das sehr coole „Lungs Of Mire“ sind Beispiele für den derben Groove, mit dem die Australier gleich vom Start weg vollauf überzeugen können. Auch wenn sich das Tempo vieler Stücke im mittleren und unteren Bereich bewegt, so lassen es die Herrschaften immer wieder gehörig krachen, wobei jede Tempoverschärfung gleichzeitig auch den Genrekompass stark in Richtung Punkrock ausschlagen lässt – so zu hören bei „Acid Strain“ oder „Fleshold“. „Ghost Of A King“ oder auch „Mammoth Falls“ offenbaren eine weitere große Stärke der Combo: Die tonnenschweren Monsterriffs, die sich über das gesamte Album verteilen und immer wieder für Erstaunen sorgen. Ebenso beeindruckend ist die Vielschichtigkeit der Australier, die sich in Form von waschechten Rocksongs („Black Unicorn“, „Immortal Mare“), einigen ruhigen Momenten („Wretched Earth“), oder sogar in rein akustischen Nummern wie „The Riders Ode“ niederschlagen kann. So weit man das überschauen kann, besteht I Exist aus sieben Leuten, und dementsprechend passiert in den Stücken auch so einiges. Wenn der Sound auch leicht matschig wirkt, so erhält doch jedes Instrument innerhalb des Mixes genug Luft zum Atmen, ohne auch nur einen Deut des räudigen Charmes einzubüßen, der gewissermaßen das Markenzeichen der Band darstellt. Alles andere als Zufall, denn kein geringerer als der Sludge-Spezialist Billy Anderson (Eyehategod, Sleep, Melvins) zeichnet hierfür verantwortlich. Alles in allem ist „II: The Broken Passage“ also eine sehr gute Scheibe, an der es bemerkenswert wenig auszusetzen gibt. I Exist bieten hier einen mehr als gelungenen Genremix, der durchweg überzeugen und stellenweise regelrecht begeistern kann. Für mich eine der besten Platten in letzter Zeit. (cj)




