Callejon - Videodrom
Man hat offensichtlich Entscheidungsprobleme im Callejon-Lager. Das geht schon los beim Bestimmen des Heimatorts, da wird sowohl Köln als auch Düsseldorf und Ratingen gelistet. Auch die vom Label mitgereichte Genrebezeichnung „Videometal“, geht zwar in eine nachvollziehbare Richtung, macht es sich aber zu einfach, denn auch hier weiß die Band selbst nicht so genau, ob sie nun Hardcore, Metal oder Screamo fabriziert und umklammert das Gebotene einfach mit „Namenloses Grauen“. Aber gerade diese hyperaktive Zerrissenheit macht wohl das Faszinierende an der Band aus. Der gleich nach dem Intro positionierte Titeltrack und das ebenso starke „Kinder der Nacht“ legen furios los, die Band hat ihr Wesen seit dem auch schon dollen Vorgänger „Zombieactionhauptquartier“ verdichtet und alles mehr auf den Punkt gebracht. Da quillt Leidenschaft aus jedem Track und hier funktioniert dann auch die sonst schwer vorstellbare Vermengung von derben Grindcore-Blast-Passagen mit wunderbar pathetischem Melodiegesäusel in ein und demselben Song (siehe „Kinder der Nacht“). Große Veränderungen sucht man hier vergeblich, Derbes steht neben Balladen, Heavy Metal-Roots neben Techno-Einsprengseln und es wird fröhich zwischen derben Screams und zuckrigen Melodien gewechselt. Nachgelegt wurde einzig im Bereich der Produktion, der Sound ist tatsächlich noch druckvoller und fetter. Dank Meister Sobtzick ist auch das Artwork mal wieder 1a und die Videos werden dem in nichts nachstehen. Textlich fuppt die Kombination von Deutsch und derber Musik hier so gut wie sonst selten und Bastian serviert auch mal wieder ein paar Zeilen bzw. Gedankengänge, die man so schnell nicht mehr aus dem Ohr und Hirn bekommt. Das ist das gerne mal beschworene dritte Album der Band, Sorgen brauchen sie sich deswegen aber keine zu machen, das Soll haben sie mit links erfüllt und sie werden mit dem Album wohl erneut einen großen Satz machen – zu Recht! (tj)




