Abandon - The Dead End
Wer gegen Ende eines Jahres immer so ein bisschen depressiv wird und seine Stimmungslage an das triste, graue Wetter anlehnt, dem wird dieses Mal der passende Soundtrack dazu geliefert. Die fünf Schweden von Abandon lassen mit „The Dead End“ ein mehr als hundertminütiges Werk vom Stapel laufen, welches sich über zwei CDs erstreckt und nur so vor Negativität und (Selbst-)Zerstörung strotzt. Nachdem sie drei volle Jahre an den Songs herumgefummelt hatten, spielten sie das Ding Ende 2005 live ein und verbrachten weitere drei Jahre damit, den Gesang stückchenweise darüber zu legen. Allerdings erlebt Sänger Johan Carlzon die Veröffentlichung dieses Albums, zudem er nicht nur die Texte, sondern auch das Artwork beisteuerte nicht mehr. Im vergangenen Dezember starb er (wohl gewollt) an der für echte Rocker üblichen Überdosis. Das ist aber nicht der ausschlaggebende Faktor, warum „The Dead End“ eine ganz besondere Platte ist. Obwohl ich ein echter Genrefan bin, fällt mir keine Scheibe ein, die mich derartig herunter gezogen hat. Extrem langsam und träge entwickeln Abandon ihre Stücke – teilweise über eine Viertelstunde hinweg – zu wahren Songungeheuern, die jegliche Hoffnung und Freude erbarmungslos unter sich begraben. Die Klangebenen und –Sphären, die einen Großteil der düsteren Atmosphäre ausmachen, stammen nicht von Synthesizern sondern von einem Harmonium. Sie erzeugen so einen ganz markanten, individuellen Sound, der Abandon einen sehr hohen Wiedererkennungswert verleiht. Nicht, dass sie das nötig hätten, denn die elf Stücke sind so extrem anstrengend, wahnsinnig düster und kompromisslos vernichtend, wie man es bisher kaum kannte. Nur wer bei Crowbar erst richtig auf Touren kommt, bei Neurosis ans Tanzen denkt und wem EyeHateGod zu fröhlich sind, der wird die volle Abgründigkeit dieser Platte erfahren können und auch zu schätzen wissen. Alle, die vorher an die Wand gedrückt werden und abschalten, verpassen ein wahres Opus aus Depressionen und Selbstzweifeln, wie es seinesgleichen sucht. Grandios. (cj)




