Exits To Freeways - Spilling Drinks, Spelling Names
Wo nehmen die nur immer die coolen Bands her? Exits To Freeways, deren Namen an sich noch viel länger ist (ich schreib den jetzt hier aber nicht ständig aus, krieg meine Zeichen auch so zusammen...), kommen jedenfalls aus Hamburg und haben mit dem Sound der Stadt mal gar nichts am Hut - also weder HipHop noch Studentengeschraddel. Postcore werden viele Kollegen drüber schreiben oder drüberschreiben, an sich auch nicht falsch, aber auch nicht wirklich vielsagend. Die drei Herren sind auf jeden Fall mutig und stecken voller Leidenschaft, die quillt nämlich aus jedem Takt dieses Debuts. OK, es gab eine 5-Track-DIY-EP,die Songs sind auch alle auf dem vorliegenden Longplayer vertreten, also lassen wir mal die Erbsenzählerei: Debut! Und mit was für einem Ausrufezeichen. Sie hauen ungeniert jede Menge Einflüsse zusammen, ob nun in Sachen Genres (Rock, Punk, Noise, Core, Alternative...) oder Bands (Faith No More, Billy Talent, At The Drive-In...), klingen dabei aber nie nach ´ner epigonenhaften Hinterherhechel-Combo, das ist alles sehr eigenständig und -willig. Die haben weder Angst vor krassen Wechseln innerhalb ihrer Songs (Breaks en masse, vertrackt but very beautiful), noch allzuviel Respekt vor Konventionen. Gesanglich wird viel gesprochen aber auch ordentlich gekreischt, technisch klingt das mehr als versiert und soundtechnisch ist auch alles sehr schön krachig, gerne auch mal dissonant und rough. Die Tracks sprühen jedenfalls vor Energie und Ideen. Das funktioniert nicht gleich beim ersten Durchlauf, aber schon beim zweiten stellen sich vermehrt Aha-Erlebnisse ein und man kann erste "Hits" benennen, der Opener "Perfect Perverts (Taking Pictures)" gehört genauso dazu wie "Narcissus As A Fuckboy" oder auch "Tourette Red (A Monster In My Language)". Bei "Pageant Wipeout Interlude" beweisen sie dank smartem Network-Zitat auch noch guten Filmgeschmack und "Desire_Construction_Disaster" klingt wie ne Adrenalin-gedopte Dinosaur Jr.-Nummer. Die Höchstpunktzahl wird hier nur deswegen nicht gezückt, weil ich der Band zutraue, zukünftig noch einen draufzulegen - und dann muss ich ja noch Luft auf der Skala haben! (tj)




