Diablo - Icaros
Den Anfang des Siegeszuges der finnischen Metalcombo Diablo markierte ihr fast schon bahnbrechendes Erstlingswerk "Elegance In Black" aus dem Jahr 2000. Von diesem Zeitpunkt an konnten sich die Nordländer fast immer steigern und sich als eine feste Institution der finnischen Metalszene etablieren. Mit ihrem aktuellen Album Icaros wollen sie nun expandieren und das Tor nach Europa endgültig aufstoßen. Die Produktion sollte ihnen hierbei keinen Stein in den Weg legen, denn diese ist als extrem professionell und richtig fett zu bewerten. Die tiefer gelegten Gitarren drücken beinahe beängstigend aus den Boxen und der Schlagzeugsound kann dies sogar noch toppen. Diablo geben sich betont modern, und entsprechen mit ihren imponierenden Soundwänden zweifellos dem vorherrschenden Zeitgeist. Technisch sind die Jungs über jeden Zweifel erhaben, wobei sie es gekonnt vermeiden, diese Fähigkeiten - wie oftmals üblich - plakativ in Szene zu setzen, was voll und ganz meinem Geschmack entspricht. Songwriting rangiert vor technischem Muskelspiel. Keiner der zehn Songs gibt sich die Blöße, qualitativ wirklich aus der Reihe zu fallen. Exzellente Arrangements werden von fetten Breaks und cleveren Übergängen zusammengehalten. Das dominierende Stilmittel ist Stakkato-Riffing im Stile von frühen Fear Factory, welches von sehr geilen Melodien der Leadgitarre unter- und übermalt wird. Teilweise erinnert das ein bisschen an As I Lay Dying und vor allem an In Flames, wobei es den Nordmännern leider nicht immer gelingt, ihre Individualität zu wahren. Einen soliden Unterbau für das Ganze, liefert eine perfekt funktionierende Rhythmusgruppe, die den Begriff "Wie ein Uhrwerk" neu definiert. Der Gesang steht dem beinahe in nichts nach. Frontmann Rainer Nygard präsentiert sich als eine Mischung aus Phil Anselmo, Robb Flynn und Mikael Åkerfeldt. Zwar reicht er qualitativ nicht an die genannten Metal-Ikonen heran, kann aber definitiv mit einer vorzüglichen Stimme aufwarten. Leider fehlt auch hier das nötige Quäntchen Eigenständigkeit, was Icaros wieder ein Stück weiter von der Topwertung entfernt. Wer sich noch nicht sicher ist, ob diese Platte die Anschaffung lohnt, bekommt noch einige Anspieltipps mit auf den Weg: "Living Dead Superstar" bietet die perfekte Mischung aus Härte und Eingängigkeit und ist mit Sicherheit der beste Song der ganzen Scheibe. Track Nummer 7 wurde "Chagrin" betitelt und stellt das gesangstechnische Highlight auf Icaros dar. Mit "Hammer" wird an Stelle Nummer 9 ein echter Nackenbrecher aufgefahren, der sich ein bisschen verschoben darstellt und mit einem Monster-Breakdown den Scheitelpunkt in Sachen Härte markiert. Abschließend betrachtet könnte es Diablo in Zukunft gelingen, sich auch außerhalb von Finnland zur Creme der Metalriege hochzuarbeiten, sofern sie in Sachen Eigenständigkeit noch eine Schippe drauflegen. (cj)




