Korn - MTV Unplugged
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff ist so eine Metapher die mir einfällt, wenn ich dieser Tage an Bands wie Sepultura (mittlerweile gar kein Cavalera mehr an Bord) oder auch Korn (Drummer zieht sich auf unbestimmte Zeit zurück und Gitarrist Head ging offensichtlich religiös verwirrt verloren) denke. Umso überraschter war ich, als ich im letzten Sommer beim Warten auf Tool bei Rock Im Park nach den Deftones eher unabsichtlich Korn gesehen habe. Nach dem Konzert waren wir uns einig, dass Jonathan Davis und Co. eigentlich die wahren, weil besseren Headliner gewesen wären. Ne echte Überraschung also. Genau wie vor ein paar Wochen die Nachricht, dass die Herren jetzt ein "MTV Unplugged"-Konzert geben. New Metal auf Lagerfeuerklampfen mit Bingobongolei? Aber auch hier: eine sehr lohnende Sache. Direkt der Opener "Blind", einer der größten Hits der Band, überrascht in einer Bearbeitung, die jede Menge Latino-Flair versprüht, das folgende "Hollow Life" erinnert von der Instrumentierung eher an Ennio Morricones Westernarbeiten und der dritte Song bringt den ersten Gast auf die Bühne: Amy Lee von Evanescence. Ich bin beileibe kein Fan ihrer Band, aber singen, dass kann die Lady! Und so wird ihre, latent arabisch anmutende Performance bei "Freak On A Leash" zu einem weiteren Glanzlicht des Albums. An fünfter Stelle die erste Sünde: eine Coverversion der Radioheadhymne "Creep". Macht man nicht. Sie machens zwar nicht schlecht, aber trotzdem: macht man nicht. Erst recht nicht, wenn man auf einen Silberling, der potentiell 74 - 80 Minuten Musik fassen würde, gerade mal 11 Songs in 44 Minuten packt. Gegen Ende dann der zweite Gast: Robert Smith von The Cure. Der trägt seinen Teil zu "Make Me Bad" bei bevor Korn mit ihm dann einen Song seiner Band spielen, nämlich "In Between Days". Tolles Album, das ich persönlich interessanter finde als die letzten Studioalben der Band, weil eben etwas anderes passiert. (tj)






