Ian Love - dto.
Irgendwann scheint es viele gestandene Hartwurstmucker zu packen und sie fühlen mit dem Ansteigen der eigenen Jahreszahl das Bedürfnis ein „klassisches“ Album zu machen, dass größtenteils auf ihrer Stimme und der guten alten Lagerfeuergitarre beruht. Weiteres Beispiel dieser Tage: Dustin Kensrue von Thrice, der ein fast schon Country-lastiges Album abgeliefert hat. Ian Love ist in der Hardcoreszene ja ein durchaus klingender Name. Der Mann hat nämlich u.a. bei Burn, Die116, Cardia und bei Rival Schools Gitarre gespielt. Jetzt also ein fast komplett (manchmal darf auch ein bisschen E-Gitarre und Synthesizer sein) akustisch eingespieltes Singer/Songwriteralbum, dass Ian zudem noch höchstselbst im heimischen Wohnzimmer aufgenommen und dabei auch noch alle Instrumente eingespielt hat. Das Album hat eine herrlich melancholische Grundstimmung, einen sehr warmen Sound und passt ideal in die winterlich graue Jahreszeit. „Butterfly“ erinnert vom Gesang und dem rollenden Gesamtsound etwas an Notwists „Neon Golden“-Album, andernorts klingts ein bisschen nach The Weakerthans, allerdings nie mit deren Drive, Ians Songs sind allesamt recht ruhig und verhalten. Textlich verarbeitet er wohl Stationen seines Lebensweges, der immer wieder vom Heroin gestört wurde. Ohne die Hardcore-Vergangenheit des Mannes würde einerseits wohl dieses Review hier kaum erscheinen und andererseits wohl auch keiner der Leser dem Album eine Chance geben – die hat es aber auf jeden Fall verdient! Wer allerdings Probleme mit streckenweise durchaus falsett-gefistelteten Vocals hat sollte die Finger weg lassen! Sehr schönes Artwork auch, passt ideal zum Sound. (tj)




