Twilight Ophera - Descension
Jesses, was ein Ritt. Bereits der erste Song des Albums kommt einem sehr schnellen Zappen durch verschiedenste Fernsehkanäle gleich. Einerseits derbstes Growlen/Kreischen, dann vertracktes Riffing, flächige Keyboards, Chöre, später Power-Metal- und Sprech-Gesang, Nähmaschinen-Snarebeats, wuselige Gitarrensoli, irgendwie wie Dimmu Borgir oder auch Cradle Of Filth auf Speed - da ist wohl einer dem „Viel hilft viel“-Glauben verfallen. Diese Vorgehensweise hat einerseits den Vorteil, dass es nie langweilig wird, der Beipackzettel mit den Nebenwirkungen hat andererseits aber auch so einiges zu bieten. Bei einem derartigen Overkill ist es bei den zehn Songs in 50 Minuten wirklich schwer etwas zu behalten, es bleibt bei dem schnellen Bombardieren mit diversen Elementen einfach nix hängen. Und ein weiterer Haken ist, dass das auf Dauer auch ziemlich anstrengend ist. Das Werk strotz nur so vor technischem Können und es ist wirklich schade, dass die Band dem Material so gar keine Möglichkeit zum Entfalten lässt, geschwindigkeitstechnisch meist im hochtourigen Bereich hasten sie durch diesen Orkan an Parts. Nicht nur dank seiner Länge von über siebeneinhalb Minuten sticht der fünfte Song „Born From Brimstone Womb“ aber heraus. Deutlich im Doom verwurzelt und auch wesentlich straighter und weniger sprunghaft und zerfahren ist er das Herzstück der CD. Ich hätte an sich auf ein Debut getippt und mit einem versöhnlichen Schlusssatz auf eine mögliche Besinnung aufs Wesentliche beim nächsten Album gehofft, laut Info legen die Finnen mit „Descension“ aber schon ihr viertes Album ab und scheinen ihren Stil somit schon gefunden zu haben, sicherlich anspruchsvoll aber ebenso eben auch nicht jedermanns Sache. (tj)




