Disco Ensemble - First Aid Kit
An sich unvorstellbar, das sich eine finnische Band Disco Ensemble nennt. Aus dem Land kommt ja allerlei interessantes oder sogar Gutes, aber Disco? Gothik, Metal und Humpa, meinetwegen... Nun haben die vier Finnen weder mit den eben genannten Genres noch mit Disco was am Hut, sondern frönen dem melodiegetriebenen Emocore. Und wenn man bedenkt, dass dieses Album Anfang des Jahres bereits schon von Fullsteamrecords veröffentlicht wurde und jetzt von Universal noch mal einer größeren Hörerschar zugeführt wird, dann möchte man gar nicht weiter darüber nachdenken, wie viele geniale Platten wohl mangels entsprechender Promotionmöglichkeiten in der monatlichen Veröffentlichungsflut untergehen. Denn das Dutzend Songs das uns die Herren hier in den Erste Hilfe Koffer gepackt haben gehört für mich zum stärksten, was dieses Jahr in die Regale gestellt wurde! Fans der straighteren At The Drive-In-Songs oder meinetwegen auch von Billy Talent dürften hier mehr als gut bedient werden, im direkten Vergleich finde ich das Album sogar ebenso stark wie „II“ von Billy Talent. Der Opener "This Is My Head Exploding" geht gleich in die Vollen und die drei folgenden Songs sind ebenso potentielle Singlekandidaten. Wobei der zweite Song „We Might Fall Apart“ etwas Geschwindigkeit rausnimmt und dafür mit der sehr eingängigen Rhythmusarbeit für einen wochenlangen Ohrwurm sorgt. Der dritte Song "Drop Dead, Casanova" ist dann tatsächlich die erste Single des Albums, ein Überrefrain von Sänger Miikka Koivisto, der, wie bei vielen anderen Songs auch, gekonnt mit zusätzlichen Keyboardparts Akzente setzt. Nummer fünf und sechs sind auch sehr gute Songs, aber nicht gar so überragend wie die davor. Der Titeltrack lässt es dann eher ruhig und fast schon pathetisch angehen bevor dann nach zwei Minuten doch die lauten Gitarren ein- und auch schnell zum Solo ansetzen. Da die ersten Songs eben so sehr strahlen, fällt das Album nach hinten schon etwas ab, mit experimentierfreudigen Tracks wie „Fresh New Blood“ bemüht sich die Band aber um Abwechslung und hat die Höchstnote unterm Strich auf jeden Fall verdient. (tj)




