Deftones - Saturday Night Wrist
Jesus, war ich beruhigt, als ich das fünfte Album der Sacramento-Combo zum ersten Mal gehört habe. Nachdem die ersten drei Alben allesamt Klassiker sind, war das vierte, selbstbetitelte, Album irgendwie enttäuschend. Nicht, dass es schlecht ist, es war einfach „nur“ gut, das ist in etwas so, wie wenn in München der FCB „nur“ Zweiter wird, da sind dann Fans und Vereinsführung auch enttäuscht und man stellt gar den Trainer zur Diskussion. Personaldiskussionen gabs bei den Deftones wohl auch, drei Produzenten verschlissen und stellenweise wohl sogar kurz davor den Sänger zu kicken, weil der sich mit seinem Projekt Team Sleep mitten in den Gesangsaufnahmen einfach mal ca. ein Jahr Pause genommen hat. Und jetzt also endlich „Saturday Night Wrist“. Bei den großen Sommerfestivals gabs schon einen vielversprechenden Vorgeschmack und das Album ist mal wieder typisch Deftones, wenn es auch mit den ersten Alben wenig gemein hat. Diese unbeschwerte Aggression und Leichtfüßigkeit ist den Jungs mittlerweile verwehrt, besonders Sänger Chino ist wohl sehr selbstkritisch und hinterfragt seine Darbietung permanent. Völlig grundlos an sich, denn bis auf den unerklärlichen Elektrotrack „Pink Cellphone“ (mit Unterstützung der Sängerin von Giant Drag) ist das ein überragendes Album geworden. Melancholisch, atmosphärisch und selten, dann aber richtig gut, auch wütend/heftig – man höre nur „Rapture“ oder „Rats!Rats!Rats!“. Bezeichnenderweise ist „Mein“, bei dem der SOAD-Sänger mitwirkt einer der schwächsten Songs des Albums... Die Single „Hole In The Earth“ lässt einen z.B. aber tagelang nicht mehr los, ebenso wie viele andere Songs. Das ist Weiterentwicklung bei gleichzeitiger Besinnung auf Stärken und Elementares, stets kreativ und nie billig – die Deftones sind wieder da! (tj)




