Monster Magnet - Tab / Spine Of God
Ich glaub es war das Dynamo-Festival 1992. Das war damals DAS Festival schlechthin, das With Full Force gabs entweder noch nicht, oder es hatte auf jeden Fall nicht den heutigen Status. Wir kamen also nach stundenlanger Fahrt für lächerliche zehn Gulden aufs Gelände und irgendwann nachmittags spielten dann Dave Wyndorf und Konsorten, Monster Magnet. Ich fand sie vom ersten Moment an Scheisse und konnte ihren Slogan „It´s a satanic Drug Thing... you wouldn´t understand“ nur fett unterschreiben. Mann muss ja auch nicht immer alles verstehen und es spielten ja noch Tonnen wirklich geiler Bands. Die Band hat mich dann aber verfolgt und ich hab sie immer mal wieder unfreiwillig auf irgendwelchen Konzerten als Support gesehen – was an meinem Urteil nicht wirklich was geändert hat. Dann kam „Dopes To Infinity“ und mit dem Album hatten sie mich dann im Sack. Die ersten sechs Songs sind allesamt Hits und ich wollte die Band erstmals live sehen. Auf nach München zur Show also und was soll ich sagen – sie waren wieder Scheisse! Dave Wyndorf ist zwar ein guter Selbstdarsteller mit angeborener Sonnenbrille vorm zugedröhnten Schädel und speckigem Lederwestchen vor der Hühnerbrust, die Gitarre die da vor ihm rum hing, war aber nicht umsonst kaum aus dem Gesamtsound herauszuhören. Ab dem kommerziellen Durchbruch mit dem „Powertrip“-Album und der Hitsingle „Spacelord“ war mir die Band dann in ihrer Übererfüllung sämtlicher Rockerklischees (Pyros, Posen, nackte Chicks...) aber wieder völlig zuwider. Neuerdings sind die Herren jetzt bei SPV unter Vertrag und da die den Backkatalog wohl offensichtlich mitgekauft haben, machen sie auch gleich was draus; nämlich eine Wiederveröffentlichung der beiden ersten Lebenszeichen zum Nice-Price. Die EP „Tab“ und das Debütalbum „Spine of God“ gibt´s jetzt also optisch etwas gepimpt, mit Linernotes von Dave und jeweils einem Bonustrack (bei der EP ein Live- und beim Album ein Demotrack). Und mal ganz ohne jahrelang hingebungsvoll gepflegte Antipathien: die können schon was. Man spürt allerorten, dass die Band ihre Hausaufgaben gemacht und ihre prägende Portion Black Sabbath mit der Muttermilch aufgesogen und verinnerlicht hat. Kiffermucke im besten Sinn des Wortes mit Hang zum Jam, wer Spaß an Corrosion Of Conformity und Kyuss hat, sollte diese beiden Werke (erst recht zu dem Preis) ruhig ins heimische Regal stellen. Auf die angekündigte Tour sollte man sich allerdings nicht freuen, die wurde erst mal gecancelt – wegen einer Überdosis, warum auch sonst... (tj)




