Cho Jin - Woanders
Der Bandname kommt aus dem Japanischen und bedeutet Übermensch. Und auch wenn sie sich hörbar Mühe geben und wollen, so richtig über sich hinaus wachsen die Düsseldorfer auf ihrem Debutalbum (nach zwei selbstproduzierten EPs und einem Beitrag auf einem „Hörsturz-Sampler) aber noch nicht. Zunächst gilt es für den Hörer mal die erste Hürde in Form des deutschen Gesangs zu nehmen, das ist ja irgendwie immer ne Gratwanderung. Richtig auf die Nase fällt der schreiende, summende, flüsternde und singende Michael Berndt hier zwar nicht, streckenweise schwankt er aber ordentlich über dem Abgrund, da klingt doch einiges zu bemüht und aufgesetzt (z.B. heisst es in „Spassmarkt“ „fühlst Du Dich seelisch instabil? Bei Depressionen such Dir ein Ventil, wie wärs mit Spielzeug von Playmobil?“ ...aha!). Und auch sonst hat man oft das Gefühl, dass die Jungs zu viel wollen, aber noch nicht so ganz Herr der Lage sind und es nicht schaffen all die verschiedenen Elemente zu einem homogenen Ganzen zu schmieden. Manche Songs rocken wunderbar bollernd nach vorne wie z.B. „Carpe Diem“ oder „Masken“, „Komastar“ ist eher im Mid-Tempo-Bereich angesiedelt und auch (teilweise) ruhige Songs wie „A.M“, „Augenlied“ oder „Stirb Nicht“ bietet das Album. In Wolfgang „Wölli“ Rohde, dem Labelchef von Goldene Zeiten und 15 Jahre lang auch Drummer bei Die Toten Hosen, hat die Band einen Förderer gefunden, der die Band hoffentlich langfristig aufbauen will, Potential und ein ordentliches Pfund Energie ist durchaus vorhanden. Der Produzent Uwe Sabirowsky, der in der Vergangenheit u.a. Thumb und die Beatsteaks im Studio hatte, hat ganze Arbeit geleistet und der Band ein erdiges, warmes Soundgerüst mit dem einen oder andern Detail gezaubert. (tj)




