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    AEREOGRAMME / OCEANSIZE /

    11.12.2003, Würzburg, AKW

    Überraschend viele Leute haben sich bereits zur ersten Band des Abends eingefunden. Ob das am guten Ruf der fünf blutjungen Briten (nur der Drummer hatte Bartwuchs) liegt, der ihnen per überschwänglichen Kritiken vorausgeeilt ist? Fakt ist mal, dass etwa gegen 22 Uhr eine Band die Bühne des kuschligen AKWs betritt, die zum ersten Mal in diesem Land auf Tour ist und auch gleich mit der ausserordentlichen Freundlichkeit des deutschen Polizeiapparats in Kontakt kam, die sie ihres gesamten Vorrats an „Heilkräutern“ beraubte. Sänger Mike Vennart klagt währen des etwa 40minütigen Auftritts auch mehrmals sein Leid, bezeichnet die Herren in Grün zu Recht als Spielverderber und wünscht sich schon mal präventiv eine grosse Tüte Grass zu Weihnachten. Neben dem gewohnt trockenen britischen Humor („Kommt doch ruhig weiter nach vorne, wir möchten nicht, dass sich hinten jemand verletzt!“) überzeugen die fünf von der Insel mit einer guten Songauswahl und einer ambitionierten Performance. Ich hab selten eine Band gesehen, bei der alle Gitarristen und auch der Basser derart grosse Effektboards auf dem Boden vor sich hatten, aber die waren wohl auch notwendig um die komplexen Songs auf die Bühne zu bringen. Das Publikum steht der ganzen Sache durchaus aufgeschlossen gegenüber, der finale Funke springt aber nicht über, was bis zu einem gewissen Grad sicher daran lag, dass die Leute die Songs nicht kannten und sie eben nicht gleich beim ersten Hören zünden. Die Zurückhaltung der Leute hielt sie aber nicht davon ab in der Umbaupause munter Oceansize-Merch zu kaufen! Ich hatte das Gefühl eine Band mit viel Potential erlebt zu haben, die gerade live aber noch nicht so souverän auftritt, wie es dem ausgereiften Material entspräche – das könnte aber noch was richtig Grosses werden!
    Setlist OCEANSIZE:
    Catalyst
    Breed Siamese
    Massive Bereavement
    One Day all this could be yours
    Remember where you are
    Saturday Morning Breakfast Show

    Nach einer etwa 30minütigen Umbauspause in der die komplette Bühne umgebaut wird wälzen sich Nebelmassen von der Bühne und es erklingt ein kino-artiges Intro aus der Dose in das nach Kurzem der Drummer einsteigt. Es folgt Gitarrist und Soundtüftler Ian Cook, wie gewohnt in einem Film T-Shirt (diesmal Romeros Dawn of the Dead) und bald darauf auch der Basser zusammen mit Gitarrist und Sänger Craig B. Gleich zu Anfang fällt der verbessert Sound auf, nicht dass er bei der Vorband schlecht gewesen wäre, aber hier ist offenhörbar jemand am Werk, der sein Handwerk versteht und der Band einen passenden Sound auf den Leib schneidert. Los geht’s mit „Egypt“ einem Song des Debut-Albums der schottischen Wichteltruppe (sehen untergross und vollbärtig alle aus als hätten sie ihren Arbeitgeber den Weihnachtsmann, in den stressigen Vorweihnachtswochen böse hängen lassen...). In gebrochenem aber korrektem Deutsch begrüsst Craig das enthusiastische Publikum mit den Worten „Guten abend, wir sind Aereogramme aus Glasgow, Schottland!“ bevor sie bereits mit den nächsten beiden Songs vom aktuellen „Sleep & Release“-Album ein Gänsehaut-Level erreichen, dass sie später eigentlich nur schwer toppen können... Der Sänger bedankt sich mehrmals im Laufe des Abends beim Publikum fürs Kommen und Applaudieren und lobt den Support-Act in den höchsten Tönen, überhaupt ist die komplette Band sichtlich happy über den gelungen Auftritt und die mehr als positiven Reaktionen. Im Mittelteil bauen die vier sogar zwei neue Songs ein, einer davon ist sehr ruhig und wird nur von Ian und Craig performt. Unglücklicherweise verreckt Craig dann noch seine Gitarre und er erzählt, dass sie schon die ganze Tour über von einer Art Fluch befallen sind, u.a. hat es im hinteren Teil ihres Vans wohl gebrannt... aber er hat ja Ersatz dabei, geht also ohne Verzögerung weiter. Nach gut 90 Minuten (inklusive Zugabenteil) geht der mehr als gelungene Auftritt leider schon zuende; ich hatte insgeheim gehofft, dass sie, wie im Sommer in München noch mal die Bühne entern und eine Coverversion nachschieben, damals wars ein PJ Harvey-Song, auf der letzten EP der Schotten war aber auch eine mehr als gelungene „Thriller“-Version von Michael Jackson... schade auch! Wirklich gewundert hat mich aber, dass trotzdem die Band bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mit dem selben Album in Deutschland unterwegs ist, sogar mehr Leute da waren, als bei der ersten Tour – Qualität setzt sich eben doch durch!
    Setlist AEREOGRAMME:
    Egypt
    Black Path
    Indiscretion #243
    The Question is complete
    Dreams & Bridges
    Zionist Timing
    I don`t need yr
    Motion
    Older
    Yes
    A meaningful Existence

    Wood (?)
    Shouting for Joey (?)

    (tj)

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